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Das Schweizer Männer-Team am Tiefpunkt

Sonntag, 16. Dezember 2012 / 17:17 Uhr

Das Schweizer Männer-Team taumelt derzeit von einer Niederlage in die andere. Beim Riesenslalom in Alta Badia schaffte es erstmals in der Weltcup-Geschichte keiner ins Schlussklassement. Der Amerikaner Ted Ligety siegte überlegen.

Neben Pleisch kamen von den sieben Schweizern nur Marc Berthod (Bild) und Carlo Janka ins Ziel. (Archivbild)

Der erst 22-jährige Manuel Pleisch verhinderte immerhin den totalen Absturz der Schweizer Mannschaft. Der Bündner schaffte mit Startnummer 49 als 27. und einziger von Swiss-Ski die Qualifikation für den zweiten Lauf, was ihm zuvor in bisher zehn Anläufen nie gelungen war. Im zweiten Durchgang kam Pleisch aber nicht sehr weit. Und nach dessen Ausfall war klar, dass es kein Schweizer in die Wertung schaffen würde. Das gab es im Riesenslalom - ausgenommen an einem Finale, in dem nur die Besten starten - noch nie.

Neben Pleisch kamen von den sieben Schweizern nurmehr Marc Berthod (44.) und Carlo Janka (46.) ins Ziel. Beide blieben allerdings chancenlos bezüglich der Teilnahme am zweiten Lauf. Janka verlor 7,81 Sekunden auf die Bestzeit von Ligety. Wortlos stapfte der Bündner aus dem Zielraum, nicht einmal mit seinem Konditionstrainer mochte er nach der neuesten Enttäuschung noch reden. Der Riesenslalom-Olympiasieger fällt immer tiefer. Bei ihm drängen sich Massnahmen auf. Für Cheftrainer Osi Inglin ist klar: «Im gleichen Trott kann es nicht weitergehen. Carlo kommt mit dem neuen Material überhaupt nicht in die Gänge. Entweder muss er jetzt einmal Pause machen, oder es wird im Training etwas umgestellt.»

Der Rest des Schweizer Teams schied aus. Didier Défago, der Ende Oktober zum Saisonstart als Fünfter des Riesenslaloms in Sölden für das bisher mit Abstand beste Ergebnis des Schweizer Männer-Teams gesorgt hatte, überdrehte schon im oberen Teil der Strecke. «Die Piste war viel glatter, als ich das nach der Besichtigung erwartet hätte», erklärte Défago, «aber ich kann ja nicht in jedem Rennen im Ziel sein.»

Osi Inglin tat sich sichtlich schwer, das Verdikt von Alta Badia zu akzeptieren: «Keiner im Klassement, das ist mehr als enttäuschend - eine Fadengerade mitten ins Gesicht.» Vor allem erschütterte ihn das Ergebnis, weil ihm der Riesenslalom als Basis für alle Disziplinen gilt. «Wir sind im Moment meilenweit von der Spitze weg. Manuel Pleisch bot im ersten Durchgang eine gute Leistung, aber was wir als Mannschaft bringen, reicht einfach nicht.»

Konkrete Massnahmen, wie er der Misere begegnen will, konnte Inglin noch keine bekanntgeben. «Im Moment ist die Enttäuschung noch zu gross, um darüber zu reden.» Aber für ihn ist klar, dass beispielsweise im Fall von Janka im Sommer-Camp in Argentinien zuviel getestet und zuwenig trainiert wurde. «Da habe ich wohl gewissen Leuten zuviel Spielraum gelassen. Diesen Vorwurf muss ich mir machen.» Angesprochen ist Gruppentrainer Sepp Brunner, der gemäss Inglin seinen Fehler schon längst eingesehen habe.

Ligety: «Stenmark im Hinterkopf»

Das Feld in Alta Badia liess sich am Sonntag in drei Klassen aufteilen. Da war einerseits der alle überragende Amerikaner Ted Ligety, dahinter folgte in Liga 2 der Österreicher Marcel Hirscher, und schliesslich gab es noch den grossen, drittklassigen Rest. Insbesondere im ersten Lauf hätte man eigentlich keine Uhr gebraucht, um festzustellen, wer der Schnellste ist. Ted Ligety fuhr seine Gegnerschaft in Grund und Boden. Um 2,40 Sekunden liess er den zweitplatzierten Hirscher hinter sich. «Ich hatte perfekten Grip. Im Ziel war ich dennoch überrascht über meinen Vorsprung. Ich hatte gar nicht den Eindruck, so super-speziell gefahren zu sein. Im Training bin ich schon besser gefahren.»

Vor dem zweiten Durchgang musste man sich darauf gefasst machen, dass Ligety den Rekord brechen würde, was die grössten Vorsprünge angeht. Der steht seit der Saison 1978/79 bei den 4,06 Sekunden, mit denen Ski-Legende Ingemar Stenmark in Jasna (Tsch) vor dem Slowenen Bojan Krizaj gewonnen hatte.

«Vielleicht hatte ich die Marke von Stenmark im Hinterkopf», bekannte Ligety hinterher. Denn der Amerikaner legte auch im zweiten Durchgang mit Vollgas los, diesmal aber blieb er nicht mehr fehlerlos: «Ich hatte einige Male den Ellbogen im Schnee und musste am Ende froh sein, unten angekommen zu sein.» Von seiner Reserve blieben dem Amerikaner noch immer stattliche 2,04 Sekunden. Er feierte so seinen dritten Saisonsieg nach Sölden und Beaver Creek, wo er mit 2,75 bzw. 1,76 Sekunden Vorsprung gewonnen hatte. Ingesamt war es sein 14. Weltcupsieg.

Marcel Hirscher hatte in der Vorwoche den Riesenslalom in Val d'Isère gewinnen können, auf der Gran Risa hatte er aber gegen Ligety keine Chance. «Ted ist unglaublich gefahren: Kein Rutschphasen, alles auf Zug, praktisch perfekt», zollte der Salzburger seinem Gegner Lob. Er selber darf aber auf seine aktuelle Bilanz auch sehr stolz sein. In allen sechs technischen Rennen dieses Winters erreichte er das Podium: Einmal als Sieger, dreimal als Zweiter, zweimal als Dritter.(knob/Si)


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