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Grange - Weltmeister und Erlöser

Sonntag, 20. Februar 2011 / 16:50 Uhr
aktualisiert: 17:16 Uhr

Jean-Baptiste Grange hat mit seinem WM-Titel im Slalom das überlange Warten in der (einstigen) Grande Nation beendet. Er gewann als erster Franzose seit 41 Jahren in dieser Disziplin Gold.

Jean-Baptiste Grange küsst die Goldmedaille.

1970 in Val Gardena hatten Jean-Noël Augert und Patrick Russel Frankreich einen Doppelerfolg beschert. Der letzte Titelgewinn eines Franzosen überhaupt war ebenfalls schon eine Ewigkeit her. Vor 29 Jahren hatte der heutige Skiverbandspräsident Michel Vion in Schladming Gold in der Kombination gewonnen.

Ein «logischer» Weltmeister

Der mit der Slalom-Fahrerin Nastasia Noens liierte Grange ist ein «logischer» Weltmeister. Den Status des gegenwärtig weltbesten Slalom-Fahrers hatte er vor Beginn der Weltmeisterschaften mit seinen Siegen in den Klassikern in Kitzbühel und in Schladming mit Nachdruck untermauert. Zum fahrerischen Können gesellte sich diesmal die Resistenz gegen den immensen Druck, der auf seinen Schultern lastete.

Vor zwei Jahren war dies noch anders gewesen. An der WM vor seinem Heim-Publikum in Val d'Isère war er als Dritter des ersten Durchgangs ausgeschieden. Dass sein Freund und Teamkollege Julien Lizeroux, derzeit wegen latenter Kniebeschwerden ausser Gefecht, die Silbermedaille gewann, war für Grange ein schwacher Trost.

Grossanlässe waren bislang ohnehin nicht das Ding des Jean-Baptiste Grange. Als einziges Highlight hatte er bis gestern den dritten Rang an der WM 2007 in Are (Sd) in seinem Palmarès stehen. An den Olympischen Spielen 2006 kam er ebenfalls nicht ins Ziel, die olympischen Rennen im vergangenen Winter in Whistler erlebte er wegen eines Kreuzbandrisses zu Hause vor dem Bildschirm. Die Verletzung hatte er sich im Dezember 2009 im Riesenslalom in Beaver Creek (USA) ohne zu stürzen zugezogen.

Zu Beginn dieser Saison kehrte er in den Weltcup zurück -- und übernahm gleich bei erster Gelegenheit mit seinem Sieg in Levi (Fi) wieder das Zepter. Kurz vor dem Jahreswechsel folgte der nächste Schock. Grange verletzte sich in einem FIS-Slalom in Chamonix an der Schulter. Das Malheur zeitigte zum Glück keine schwerwiegenden Folgen. Nach ein paar Tagen Pause war Grange wieder hergestellt. An den Sturz erinnerten ihn lediglich noch (erträgliche) Schmerzen.

Als Zehnjähriger im Korsett

Dem neuen Weltmeister wurde das Talent in die Wiege gelegt. Seine Eltern, Mutter Annick und Vater Jean-Pierre, sowie Tante Bernadette und Onkel Christian hatten in den Siebzigerjahren allesamt als Kadermitglieder ebenfalls Skirennen bestritten. Gleichwohl stellte sich für Grange junior auf dem vorgezeichneten Weg ein Hindernis in den Weg. Als Zehnjähriger musste er wegen zwei Diskushernien -- für Knaben in diesem Alter äusserst selten auftretende Beschwerden -- ein Korsett tragen.

Die Gedanken an eine Spitzensport-Karriere waren dazumal in weite Ferne gerückt. Spezialisten und der eigene eiserne Wille brachten den Jüngling zurück auf die Rennpisten. Die erste entscheidende Weiche war gestellt, um 16 Jahre später Weltmeister zu werden -- und die Grande Nation zu erlösen.

(fest/Si)


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