ALPINE SKI-WM
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Matt siegt im WM-Slalom überlegen

Samstag, 17. Februar 2007 / 13:55 Uhr
aktualisiert: 15:07 Uhr

Der Österreicher Mario Matt wurde zum zweiten Mal nach 2001 Slalom-Weltmeister. Er siegte mit 1,81 Sekunden Vorsprung souverän vor Manfred Mölgg aus Italien. Jean-Baptiste Grange (Fr) gewann Bronze.

Mario Matt präsentiert sich seit Wochen in Hochform.

Die mit grossen Erwartungen gestarteten vier Schweizer waren in der Entscheidung des WM-Slaloms nur noch Zuschauer. Marc Berthod, Daniel Albrecht, Silvan Zurbriggen und Marc Gini schieden im ersten Lauf aus.

Mario Matt ist zum zweiten Mal nach 2001 Slalom-Weltmeister. Er siegte in einem Rennen mit ungewöhnlich hoher Ausfallquote vor den überraschenden Manfred Mölgg und Jean-Baptiste Grange.

Comeback des «Super-Mario»

Matt ist wieder der «Super-Mario», der er vor sechs Jahren schon einmal war. In St. Anton, nur wenige Kilometer von seinem Wohnort Flirsch entfernt, hatte er zusammen mit dem zweitplatzierten Benjamin Raich zum WM-Abschluss vor 50 000 Zuschauern noch einmal ein riesiges Volksfest in Gang gebracht.

Ein knappes Jahr später aber begann die fast unglaublich anmutende Pechsträhne mit der rechten Schulter. Im Januar 2002 zog er sich in Kitzbühel eine Luxation zu, welche die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Salt Lake City verunmöglichte. Kaum genesen, stürzte Matt im Sommertrainingslager in Neuseeland auf die operierte Schulter, und nur einen Monat später fiel er beim Joggen erneut hin - abermals auf die lädierte Schulter.

Sein Comeback gab der Pferdenarr, der zu Hause ein eigenes Gestüt mit Vollblut-Arabern aufgebaut hat, erst Anfang Januar 2003.

Erstes Gold für Österreich

Mit zwei Silbermedaillen (Fritz Strobl im Super-G, Benjamin Raich in der Super-Kombination) fiel die Zwischenbilanz nach den ersten vier WM-Prüfungen für das erfolgsverwöhnte Männer-Team des ÖSV äusserst bescheiden aus. Umso überzeugender packte Matt die letzte Gelegenheit beim Schopf, um die vielen kritischen Stimmen zum Verstummen zu bringen.

Er siegte mit zweimal Laufbestzeit und dem gigantischen Vorsprung von 1,81 Sekunden und verhinderte die erste titellose WM seit 1997, als sich die Österreicher mit den drei Bronzemedaillen von Andreas Schifferer (Riesenslalom), Günther Mader (Super-G) und Mario Reiter (Kombination) zufrieden geben mussten.

«Es war nicht einfach, mit dem grossen Vorsprung umzugehen. Ich wusste, dass alle hinter mir im zweiten Lauf voll attackieren werden. Deshalb musste auch ich nochmals angreifen. Tempo habe ich nur an den heiklen Passagen rausgenommen», resümierte der neue Titelhalter, der im ersten Durchgang bereits 1,14 Sekunden und mehr vor der Konkurrenz gelegen hatte.Matts Triumph ist die logische Folge seiner seit Wochen anhaltenden Hochform. In den letzten vier Weltcup-Slaloms war er je zweimal Zweiter und Dritter geworden, dazu hatte er in Wengen die Super-Kombination gewonnen.

Manfred Mölgg, der zuletzt in Kitzbühel als Dritter überzeugt hatte, sorgte für die dritte WM-Medaille eines italienischen Slalom-Fahrers in Folge; Giorgio Rocca hatte 2003 und 2005 jeweils Bronze gewonnen. Unerwarteter kam Rang 3 von Jean-Baptiste Grange. Der Franzose, der es im Weltcup noch nicht über 8. Plätze hinaus gebracht hat, schnappte Titelverteidiger und Olympiasieger Benjamin Raich Bronze um drei Hundertstel weg.

Nur «ausländische» Schweizer klassiert

Für Daniel Albrecht, Silvan Zurbriggen und Marc Gini endete der Auftritt schon im obersten Streckenteil, für Marc Berthod kam das Aus kurz vor dem Ziel. «Ich bin ausgerutscht», schilderte der Bündner die Szene. «Schade, denn bis dorthin hatte ich keinerlei Probleme.» Der Kombinations-Dritte war bis zu jener Passage «voll bei den Leuten gewesen»; auf Matt hatte er nach zwei Dritteln des Pensums lediglich 37 Hundertstel eingebüsst gehabt.

Die Ausfälle waren aus Schweizer Sicht doppelt ärgerlich, zumal auch viele andere Medaillenanwärter reihenweise im ersten Lauf scheiterten. Zwei «Schweizer» erscheinen gleichwohl im Klassement. Der für Moldawien startende Bündner Urs Imboden wurde guter Elfter. Der Walliser Demian Franzen belegte als Vertreter Australiens Platz 19.

Im ersten Durchgang kamen unter anderen Jens Byggmark, Giorgio Rocca, Rainer Schönfelder, Reinfried Herbst und Ted Ligety sowie Bode Miller nicht ins Ziel. Mit Byggmark, dem Doppelsieger von Kitzbühel, schied der grösste einheimische Hoffnungsträger aus. Nicht besser erging es seinen Teamkollegen Andre Myhrer und Markus Larsson, die in diesem Winter ebenfalls schon Weltcup-Slaloms gewannen, im zweiten Lauf.

Resultate:
1. Mario Matt (Ö) 1:57,33. 2. Manfred Mölgg (It) 1,81 zurück. 3. Jean-Baptiste Grange (Fr) 2,21. 4. Benjamin Raich (Ö) 2,24. 5. Manfred Pranger (Ö) 2,49. 6. Michael Janyk (Ka) 2,65. 7. Truls Ove Karlsen (No) 2,87. 8. Hans-Petter Buraas (No) 3,45. 9. Patrick Biggs (Ka) 4,11. 10. Lars Myhre (No) 4,23. 11. Urs Imboden (Mol/Sz) 4,45. 12. Martin Hansson (Sd) 4,65. 13. Kilian Albrecht (Ö) 4,95. 14. Julien Lizeroux (Fr) 5,38. 15. Noel Baxter (Gb) 5,50. Ferner: 19. Demian Franzen (Au/Sz) 10,49.

(bert/Si)